Die Frau in dem weißen Nachthemd
verharrte einen Moment lang unbeweglich vor Alexandras Bett. Ihre
durchscheinenden Konturen ließen sie körperlos und unwirklich aussehen,
nur die Klinge des gut dreißig Zentimeter langen Fleischermessers in ihrer
Hand blitzte ausgesprochen realistisch.
Alexa begann zu zittern, was nicht nur
an der plötzlichen Kälte im Zimmer lag. Ängstlich rutschte sie im Bett
zurück, als die Gestalt näher kam. Ein leichter Duft nach Magnolien hing
in der Luft. Über dem weißen Gewand schimmerte ein herzförmiges Gesicht,
das von dunklen, in altmodischen Wasserwellen an den Kopf gekleisterten
Haaren eingerahmt wurde. Die Augenhöhlen starrten leer und schwarz auf ihr
Opfer.
„Wie konntest du nur“, sagte die Frau
mit einer zarten, melodiösen Stimme ohne die Lippen zu bewegen.
Mittlerweile pressten sich die Stäbe
des Bettes schmerzhaft in Alexas Rücken. „Margaret“, stammelte sie
entsetzt.
„Meine Ruhe ist dahin, aus dem Grab
hast du mich geholt, du impertinentes Ding“, fuhr die Erscheinung fort.
„Aber, Margaret, ich ...“
„Schweig, Stümperin. Mein Lebenswerk zu
besudeln, mich der Lächerlichkeit preiszugeben ...“
„Margaret, um Himmels Willen, es ist
alles legal, ich habe einen Vertrag mit deinen Enkeln ...“
Die Worte verhallten ungehört. Das
Messer blitzte ein letztes Mal auf, ehe es sich in Alexandras Brust
bohrte.
Schweißüberströmt fuhr Alexa hoch. Mit
zitternden Fingern griff sie nach dem Handy auf ihrem Nachtkästchen. Die
Nummer ihrer Therapeutin war schon seit langem gespeichert. Beim Klang der
vertrauten Stimme entspannte sie sich augenblicklich. „Hi Sharon, ich
bin’s, Alexandra Ripley, ich hatte wieder diesen Traum ...“
© Fran Henz, 2001
^^ UP ^^